Schmetterling's Flügelschlag

 

* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* themen
     Märchen
     Spiegelsplitter
     Realität
     Nora's Welt

* Links
     schmetterlings flügelschlag 2
    
     octavian





Sinnlos?


fficeffice" /> 


Mein Vater ist schwer taub. Selbst mit seinem Hörgerät kann er kaum noch etwas hören, man muss fast schreien, um sich mit ihm unterhalten zu können. Wenn er mit mehreren Personen zusammen sitzt, ist er von jeglicher Diskussion ausgeschlossen, da er nur noch versteht, wenn man ihn direkt anspricht. Und selbst dann braucht man sehr viel Geduld, da man meistens die Sätze, die man ihm sagen möchte, doppelt oder dreifach schreien muss, damit er sie versteht. Er tut mir immer sehr leid, wenn er so verloren herumsitzt, und verzweifelt versucht so zu tun, als ob er noch alles mitbekommen würde. Ab und zu wirft er sich mit Elan und lauter Stimme in die Diskussion ein, weil er glaubt, etwas verstanden zu haben. Leider trifft er selten das Thema, und was er sagt, hat nichts mit dem zu tun, worüber gerade gesprochen wurde. Oft mag ich ihm nicht sagen, dass er falsch liegt, und wie weit er daneben geschossen hat. Ich gehe dann meistens auf das ein, was er sagt, denn eine kurze Unterbrechung des eigentlichen Themas ist für mich nicht weiter tragisch. Anders für meine Mutter, die das Handicap ihres Mannes nicht in seinem ganzen Ausmaß wahrhaben will. Sie schimpft mit ihm, hänselt ihn, oder geht verärgert weg, weil sie glaubt, er will sie persönlich mit seiner Taubheit ärgern. Die Spannungen, die dadurch entstehen, sind für alle anderen Beteiligten peinlich, und machen speziell uns „Kinder“ traurig.


Die Taubheit meines Vaters hat mich vor die Frage gestellt, auf welchen Sinn ich am ehesten verzichten könnte. Meine tiefste Angst ist, dass ich erblinden könnte. Nicht mehr lesen oder schreiben zu können, käme für mich dem Tode gleich.


Aber keine Musik mehr zu hören, oder keinen Film mehr zu verstehen, in ewiger Stille leben zu müssen, wäre das nicht ebenso schlimm?


Könnte ich eher auf meinen Geschmacksinn verzichten, ohne den Genuss von süß und sauer durchs Leben gehen?


Die weiche Haut eines geliebten Menschen zu spüren, zu streicheln und Formen tastend zu erkunden, ist es nicht auch ein wichtiger Bestandteil meiner Existenz?


Die Empfindungen und Erinnerungen beim Geruch von tausend Dingen um mich herum, wie könnte ich auf sie verzichten?


Alles ist so unglaublich wichtig, doch wenn ich auf einen Sinn ganz sicher nicht verzichten könnte, wäre es definitiv das Sehen. Ich denke, jeder Mensch ist da individuell verschieden, je nachdem wie er sein Leben ausgerichtet hat, setzt er seine Sinnesprioritäten.


Doch: nicht mehr seine Haut unter meinen Fingern zu spüren oder seinen Duft in mich aufzunehmen…würde es mir reichen, ihn mit den Augen zu fressen und sein „ich liebe dich“ von seinen Lippen zu lesen?


Wie komplex doch das eine mit dem anderen zusammenhängt….welch Wunder der Natur wir doch sind!


 

13.4.05 23:45


MELDUNG

yahoo meldet gerade, dass Schröder und Putin die Hannover Messe eröffnen.

Könnte jemand die beiden als Messeangebot einfach mit nach Hause nehmen, vorzugsweise jemand von ganz weit weg?


(gelesen bei neue elite in www.myblog.de/octavian)

11.4.05 22:34


Die Nebelkrähe


fficeffice" /> 


Es war einmal eine Nebelkrähe. Grau und schwarz war ihr Gefieder, scharf und schwarz ihr Schnabel, und ihre dunklen, durchdringenden Knopfaugen bewegten sich unruhig und unaufhörlich in alle Richtungen, damit ihnen auch die kleinsten Bewegungen ihrer Umgebung nicht entgingen.


Nicht nur hässlich, sondern auch todunglücklich war sie, was allerdings niemand ahnte und keiner wusste. Jeden Morgen um fünf Uhr in der Früh kam sie in den Hinterhof eines alten Berliner Hochhauses geflattert, setzte sich auf einen der ungesunden, kargen Bäume dort und krächzte sich die Seele aus dem Leib. Sie schrie und zeterte, bis sie auch den letzten dort lebenden Einwohner geweckt hatte, und das empörte Zuknallen der Fenster machte sie nur noch trauriger.


„Gott…warum hast du mich als hässliche Nebelkrähe auf die Welt kommen lassen…ich wäre so gerne ein Mensch…bitte mach, dass ich menschlich werde“, schrie sie Tag für Tag in den frühen Morgenhimmel hinaus.


Doch Gott antwortete ihr nicht, und so flog sie jedes Mal nach einer Stunde wieder weiter, um sich ihr Futter in den nahe liegenden Mülltonnen zu suchen.


Doch jeden Morgen aufs Neue saß sie auf ihrem Baum, und immer verzweifelter wurde ihr Schreien nach Antwort auf ihr vogelartiges Dasein.


„Gott…warum antwortest du mir nicht…man sagt, du wärest für alle Lebewesen zuständig…doch mich hast du übersehen…bitte, hilf mir…ich möchte ein Mensch sein, keine Krähe mehr.“


So schrie sie, so krächzte sie, aber Gott blieb ihr eine Antwort schuldig.


Und so weckte sie Woche um Woche die Menschen in dem großen Haus mit ihrer morgendlichen Qual.


Eines Tages, die Sonne war gerade aufgegangen und es versprach ein wunderschöner Tag zu werden, überkam sie eine so große Trauer, dass sie sich auf die höchste Spitze des Baumes setzte, um Gott so nahe wie möglich zu sein, und fing jämmerlicher als üblich zu schreien an.


„Mein Gott, oh, mein lieber Gott, was soll ich nur machen? Ich leide, ich weiß nicht mehr ein noch aus…ich bin in diesem schrecklichen Körper gefangen, und sehne mich so sehr nach einer menschlichen Existenz. Ich mache was immer du willst, wenn du mir nur endlich gestattest, als Mensch durch die Welt zu gehen. Ich flehe dich an, hör meine Bitte und erfülle mir meinen Traum!!!“


War es ihr Geschrei, das selbst Gott langsam auf die Nerven ging, oder hatte Er eine plötzliche Eingebung, ihr Gekrächze zu unterbinden? Vielleicht hatte er sogar Mitleid mit den Menschen in dem Haus, die jeden Morgen so unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden? Gottes Wege sind ja bekannterweise unergründlich, und wie dem auch sei, seufzend ließ er plötzlich seine Stimme verlauten und sprach mit der Krähe.


„So, du möchtest also ein Mensch werden?“


„Oh ja, ich bitte dich inständig darum“, erwiderte ihm aufgeregt und überrascht der Vogel.


„Bist du dir auch über die Konsequenzen deines Wunsches im Klaren?“


„Ja, egal was passiert, ich bin lieber eine Sekunde lang ein Mensch, als ein ganzes Leben lang eine hässliche Nebelkrähe.“


„So sei es also, ich erfülle dir deinen Wunsch“, ließ Gott vernehmen, bevor Er wieder in die unergründlichen Gefilde Seines Paradieses verschwand.


Dem Vogel dort oben auf dem höchsten Ast des Baumes schlug das Herz vor lauter Freude wild in der Brust. Noch zwei Atemzüge…und mit einem lauten Knall verwandelte er sich in einen ausgewachsenen Mann.


Der Ast, auf dem er saß, brach unter seinem Gewicht zusammen, und innerhalb einer Sekunde fiel er bis auf den Boden nieder.


Von Stund an hatten die Menschen wieder Ruh in ihren Betten, und dankten Gott dafür, dass sie noch ein wenig länger schlafen konnten. Zwei Tage später konnten sie in der Zeitung lesen:


„Unbekannter nackter Toter in Hinterhof gefunden – Identität ungeklärt!“


Und wenn die Krähe nicht gestorben wäre…..säße sie vielleicht vor deinem Fenster, und würde dich mit ihrem flehentlichen Gekrächze jeden Morgen wecken!

11.4.05 00:32


Nachruf-Verruf-Aufruf-Anruf-SCHREI!!!!


fficeffice" /> 


Egal wann man dieser Tage das Fernsehen oder das Radio anmacht, egal welche Zeitungen man aufschlägt, überall rollt donnernd der Papst-Medien-Express vorbei. Und jeder Politiker, Journalist, Moderator, Schauspieler, jeder Star und jedes Sternchen nutzt die Gelegenheit, auf den Zug mit aufzuspringen, um seine plötzlich ach so hochintelligente tiefgläubig-tiefatheistische Meinung von sich zu geben. Und als wäre diese Spezies nicht schon genug Strafe für die Menschheit, sitzen jetzt auch noch ganz vorne im Führerhaus des Zuges die Oberschlauen, die sich genau Auskennenden, die Lehrer, Dorfpfaffen, die Möchtegern- Religionskenner in Form von Sozialwissenschaftlern und Schreiberlingen jeglichen Genres. Jeder von ihnen natürlich mit der absoluten Wahrheit über Katholizismus und Papst ausgerüstet. Und jeder traf ihn schon einmal persönlich, jeder hat eine Anekdote zu erzählen, jeder ist „his best and truely friend“….


Wenn es so weitergeht, wird die katholische Kirche bald wieder die Welt regieren, denn so viel PR-Rummel hatte sie schon lange nicht mehr.


Was für ein Glücksfall!!!!!


Ich bin entsetzt über so viel menschliche Heuchelei, und distanziere mich mit aller Deutlichkeit von diesen Mitläufern. Ich schäme mich zutiefst für meine Rasse!


 


Nachtrag:


Ein für mich heiliger Mensch würde bescheiden und gottesgläubig in seinem Testament verfügen, in aller Ruhe und Stille beerdigt zu werden, um falscher Gottes-Hysterie vorzubeugen. Er wäre weise genug, die menschliche Schwäche zu erkennen, und damit die Spreu vom Weizen zu trennen, denn ein wirklich gläubiger Mensch braucht keinen Papst-Tod, um sich und die Anderen von seinem Glauben zu überzeugen.


 


Wahrer Glaube outet sich durch Taten, nicht durch die Medien!  

8.4.05 10:22


Le prince est mort…vive le prince!fficeffice" />


 


Meine Tochter, die in Monaco arbeitet, erzählte mir heute früh am Telefon, dass der Prince Rainier gestorben sei. In Monaco munkelt man nun, erzählte sie weiter, dass er gar nicht seit heute früh tot wäre, sondern man hätte mit der Nachricht nur so lange gewartet, bis wieder Platz sei in den Zeitungen, nach dem Trubel um den Papst-Tod. Er wäre demnach schon früher gestorben, aber damit die Würdenträger der ganzen Welt nicht durcheinander kommen in ihren Terminkalendern, hätte man sich entschieden, dem Papst den Vorrang zu lassen????? In was für einer Welt leben wir eigentlich? Sind die Wirtschaftsbosse abgelöst worden von ihrer Weltherrschaft, um erst an zweiter Stelle hinter den jetzt regierenden Einschaltquoten-Mogulen zu herrschen??? Ich hoffe wirklich, dass es sich nur um eines dieser Gerüchte handelt, die bei „Staatsereignissen“ hier und da aufpoppen! Wenn aber die Welt immer mehr zu einem mediengeilen, alles verschlingenden Moloch wird, der sogar bestimmen darf, wer wann wo und wie stirbt, wandere ich als eine der ersten auf den Mars aus und gründe endlich meine anarchistische Welt!!!!!


 


Vive la liberté!!!!!

6.4.05 17:58



Dieses Foto hing als riesiges Poster in einer der großen Straßen von Paris...schade, dass es von der katholischen Kirche verboten wurde!

5.4.05 10:48


Teil 14


 


Mein Vater war ein leidenschaftlicher Kakteen-Züchter. Er pflegte seine Pflanzen mit einer Hingabe, die er nicht einmal seinen engsten Mitmenschen entgegenbrachte, und baute sich mit viel Liebe und Geduld kleine Miniaturgewächshäuser, in denen er seine Kakteensamen pflanzte. Es bedarf schon viel Wissen und Ausdauer, um aus einem einfachen Samen einen Kaktus zu züchten, und er investierte Unmengen von Zeit und Geduld, um ein kleines Wunder zu vollbringen und die Samen zu Pflanzen gedeihen zu lassen. Eines Tages holte er mich zu der niedrigen Fensterbank, auf der drei kleine Glashäuschen nebeneinander standen.


„Guck mal, siehst du den kleinen Kaktus da? Er ist ein Baby wie Jasmin, ganz neu aus der Erde geschlüpft. Schau mal, wie niedlich er aussieht. Nein, nicht anfassen, Nora, sonst geht er kaputt. Nicht drangehen, hörst du!“


Bis dahin hatte ich ja nicht einmal gewusst, dass sich da überhaupt etwas hinter dem Vorhang verbarg, geschweige denn, dass dort so etwas Schönes wie ein kleines Puppenhaus stand. Ich trat näher heran, um mir alles genau  anzusehen. Kleine hellgrüne Köpfchen so groß wie mein Fingernagel lagen auf dunkler Erde. Ob sie sich wohl bewegen würden wenn man sie berührte, ob sie wohl davonlaufen würden wenn man sie anstupste? Sehnsüchtig streckte ich meine Hand nach ihnen aus, aber mein Vater war schneller und zog mich von ihnen fort. Warum sollte denn etwas kaputtgehen wenn man es streichelte? Das war alles sehr interessant für mich und ging mir nicht mehr aus dem Kopf.


Im Laufe der nächsten Tage zog es mich immer wieder zu dem großen Fenster hin, das auf unseren Balkon führte. Die Betten meiner Eltern standen damals getrennt, längs an zwei Wänden in dem großen Wohnzimmer, tagsüber als Sofas getarnt und nur für die Nacht und zum Mittagsschlaf mit Bettzeug bedeckt. Schon sehr früh war mir der tägliche Mittagschlaf verhasst, den ich mit meiner Mutter in ihrem Bett verbringen musste, weil ich noch zu jung war, um tagsüber zusammen mit meiner kleinen Babyschwester in einem Zimmer zu schlafen. Das Schlimmste war, dass ich mich nicht bewegen durfte, wenn ich neben meiner Mutter lag, da mein Vater in dem anderen Bett schlief und es absolut nicht vertrug, wenn man zuviel mit der Bettdecke raschelte. Das kleinste Geräusch ließ ihn aufbrüllen, was mir eine Heidenangst machte, wusste ich doch nicht, wie laut „laut“ war und wie leise man sein musste, um „laut“ zu vermeiden. Auch war mir soviel körperliche Nähe zu meiner Mutter unangenehm und ich versuchte immer, ihr soweit wie möglich auszuweichen, um einen größtmöglichen Abstand zwischen sie und mich zu bringen. Von meiner Position aus hatte ich immer einen guten Blick zum Fenster und versuchte nun Mittag um Mittag einen Blick auf das Puppenhaus mit den Baby- Kakteen hinter dem Vorhang zu erhaschen. Die gleichmäßigen Atemzüge meiner Mutter und das dröhnende, unregelmäßige Schnarchen meines Vaters, der jeden Mittag zum Essen von der Praxis heimkam und sich dann noch ein Stündchen hinlegte, waren meine einzigen Begleiter in meiner phantasievollen Vorstellung von kleinen, grünen Pflänzchen, die in einem Haus wohnten und die man nicht anfassen durfte. Jedes Mal wenn ich meinen Vater beobachtete, wie er sich mit seiner Gießkanne über das Fensterbrett beugte, wurde der Drang in mir stärker, bis ich es nicht mehr aushielt und meiner neugierigen Natur mal wieder wie noch so oft und aller Verbote zum Trotz nachgab.


 


Fortsetzung folgt...


 

3.4.05 15:08


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte und Daten dieses Weblogs ist der Autor.
Datenschutzerklärung / Dein kostenloses Weblog bei 20six.de / myblog.de! / Krankenzusatzversicherungen / Gutscheine